Auf einen Blick
- Wartung umfasst Updates, das Schließen von Sicherheitslücken, Backups, Überwachung und kleine Änderungen.
- Ein Vertrag regelt Umfang, Fristen und Zuständigkeiten, statt sich auf Zuruf zu verlassen.
- Entscheidend sind feste Fristen für kritische Sicherheitslücken, eine getestete Wiederherstellung und feste Reaktionszeiten.
- Zugänge, Quellcode und Daten gehören dem Unternehmen; ein Wechsel des Dienstleisters muss jederzeit möglich sein.
Warum Wartung nötig ist
Redaktionssysteme wie WordPress, Shopsysteme und ihre Erweiterungen erhalten laufend Updates, viele davon schließen Sicherheitslücken. Programmiersprachen wie PHP stellen ältere Versionen nach festen Fristen ein. Zertifikate laufen ab, Browser ändern ihr Verhalten, und neue Vorgaben wie das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz verlangen Anpassungen. Ohne Pflege wächst das Risiko mit jedem Monat.
Was ein Wartungsvertrag regeln sollte
- Updates
- Fester Rhythmus, etwa monatlich, mit Test vor dem Einspielen
- Sicherheitslücken
- Frist für kritische Lücken, etwa 72 Stunden ab Bekanntwerden
- Backups
- Täglich, getrennt vom Server gespeichert, mit festgelegter Aufbewahrungsdauer
- Wiederherstellung
- Regelmäßig getestet, mit bekannter Dauer
- Überwachung
- Erreichbarkeit, Ladezeit, Formulare und Laufzeit der Zertifikate
- Reaktionszeiten
- Nach Schweregrad gestaffelt, mit Erreichbarkeit
- Bericht
- Monatlich: was gemacht wurde, was offen ist
- Kontingent
- Stunden für kleine Änderungen, mit Regel für nicht genutzte Stunden
- Ausschlüsse
- Was nicht enthalten ist, etwa Neuentwicklungen oder Texte
- Datenschutz
- Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO, wenn personenbezogene Daten verarbeitet werden
- Eigentum
- Zugänge, Quellcode und Daten beim Unternehmen, Übergabe dokumentiert
Die Beispielwerte sind übliche Größen, keine Vorgaben. Wichtig ist, dass jeder Punkt überhaupt geregelt ist.
Backups nach der 3-2-1-Regel
Ein Backup zählt erst, wenn die Wiederherstellung funktioniert. Verbreitet ist die 3-2-1-Regel: drei Kopien der Daten, auf zwei verschiedenen Speicherarten, davon eine an einem anderen Ort. Für Websites heißt das in der Praxis: tägliche Sicherung von Dateien und Datenbank, Ablage bei einem zweiten Anbieter und eine Probe-Wiederherstellung in festen Abständen.
Reaktionszeit und Verfügbarkeit richtig lesen
Reaktionszeit heißt: Innerhalb dieser Zeit beginnt jemand mit der Arbeit. Bis die Störung behoben ist, kann es länger dauern; manche Verträge nennen dafür eine eigene Lösungszeit.
Verfügbarkeit wird meist in Prozent pro Jahr angegeben. 99,9 Prozent erlauben rechnerisch knapp neun Stunden Ausfall im Jahr, 99,5 Prozent fast 44 Stunden. Entscheidend ist, wie gemessen wird und ob geplante Wartungsfenster mitzählen.
Der Notfallplan
Ein Notfallplan legt fest, wer bei einem Ausfall oder Angriff informiert wird, wer entscheidet und in welcher Reihenfolge wiederhergestellt wird. Dazu gehören aktuelle Kontaktdaten, Zugänge für den Notfall, die letzte geprüfte Sicherung und eine Vorlage für die Information betroffener Personen.
Sind personenbezogene Daten betroffen, etwa Anfragen aus einem Kontaktformular, ist eine Datenschutzverletzung nach Art. 33 DSGVO in der Regel binnen 72 Stunden der zuständigen Aufsichtsbehörde zu melden. Ein Plan, der diese Frist kennt, spart im Ernstfall die entscheidenden Stunden.
Wartung und Weiterentwicklung trennen
Wartung erhält einen Zustand: Die Website bleibt sicher, erreichbar und funktionsfähig. Weiterentwicklung verändert ihn: neue Seiten, neue Funktionen, ein neues Formular. Ein Vertrag, der beides trennt, macht Kosten planbar. Üblich ist ein festes monatliches Entgelt für die Wartung plus ein Stundenkontingent für kleine Änderungen; größere Vorhaben werden einzeln vereinbart.
Warnzeichen
- Es gibt keinen schriftlichen Leistungsumfang.
- Domain, Hosting oder Werbekonten laufen auf den Namen des Dienstleisters.
- Niemand kann sagen, wann zuletzt eine Wiederherstellung getestet wurde.
- Updates werden nur bei Bedarf eingespielt, ohne Bericht.
- Die Zugangsdaten liegen ausschließlich beim Dienstleister.
Häufige Fragen
Braucht eine einfache Website überhaupt Wartung?
Ja, wenn auch weniger. Auch eine statisch ausgelieferte Website hat eine Domain, ein Zertifikat, Formulare und Abhängigkeiten, die gepflegt und überwacht werden müssen. Bei Websites mit Redaktionssystem, Shop oder Kundenbereich ist der Aufwand deutlich höher.
Was passiert bei einem Wechsel des Dienstleisters?
Mit vollständiger Dokumentation, Zugängen auf das Unternehmen und Quellcode im eigenen Besitz ist ein Wechsel eine planbare Übergabe. Fehlt eines davon, wird er schnell zum Neubau.
Was im laufenden Betrieb dazugehört, beschreibt das Modul Betrieb; die Mindestwerte stehen in den technischen Daten.